AUFSTAND GEGEN TOURISTEN: EINHEIMISCHE BESETZEN INSTAGRAM-STRAND

Täglich strömen bis zu 4000 Touristinnen und Touristen zum Traumstrand. Die Einheimischen wehren sich – und die Reisenden stehen im Sommer neu unter Beobachtung.

Es braut sich etwas zusammen auf Mallorca. Die Einwohnerinnen und Einwohner der Insel wehren sich immer deutlicher gegen die Touristenmassen.

Am Wochenende wurde die Felsen- und Sand-Bucht Caló des Moro an der Südspitze der Insel von rund 300 Protestierenden besetzt, wie mehrere ortsansässige Zeitungen berichteten. Die Einheimischen trafen sich um 8 Uhr morgens am Strand – denn später wäre kein Durchkommen mehr gewesen. Sie breiteten sich auf dem 30 Meter kurzen Strandstreifen aus und platzierten grossflächige Transparente.

Als die Touristenschar dann aufkreuzte, wurden sie mit eindeutiger Parole begrüsst: «Geht nach Hause», riefen die Einheimischen. Gegen Mittag räumte die Guardia Civil den Strand – danach war er wieder frei für die Touristinnen und Touristen, die trotzdem Schlange standen.

Die Bucht war auf Tiktok und Instagram viralgegangen, inzwischen wird der Strand immer früher im Jahr schon voll. 1600 Flüge landen und starten im Juni täglich am Flughafen Mallorca. Täglich strömen bis zu 4000 Menschen zur Caló des Moro, die nur zu Fuss und über eine Steintreppe erreichbar ist. Viele kommen bloss, um ein Foto zu machen – wer baden will, muss früh aufstehen oder viel Geduld haben. Wie das «Mallorca Magazin» schreibt, tragen die Badegäste mit ihren Schuhen und Handtüchern täglich rund 50 Kilogramm Sand vom Strand ab. Es geht also nicht nur um die Menschenmengen: Die Natur brauche dringend eine Pause, um sich zu erholen, sind sich die Einheimischen einig.

In diesem Sommer werden Daten von Reisenden erfasst

Der Protest wurde auch auf politischer Ebene registriert. Die balearische Ministerpräsidentin Marga Prohens hat den Teilnehmenden «grössten Respekt» ausgesprochen. Die Aktivistengruppe namens «Mallorca Platja Tour» will jedes Wochenende einen beliebten Strand besetzen und rief zu einer Grossdemo im Juli auf.

Und tatsächlich tut sich was auf Mallorca. Prohens hat Ende Mai eine Sondersitzung einberufen, in der über mögliche Massnahmen gesprochen wurde, um dem Übertourismus, der alle Baleareninseln betrifft, entgegenzuwirken.

Die Touristinnen und Touristen werden davon in diesem Jahr noch nichts spüren. Zunächst werden über die Sommermonate die Reisenden und ihre Bewegungen erfasst: die Verkehrsbelastung auf den wichtigsten Strassen, die Anzahl Badender an ausgesuchten Stränden, die Besucherzahlen in Naturschutzgebieten. In einem nächsten Schritt werden diese Daten ausgewertet.

Prohens sagt gemäss der Zeitung «Ultima Hora», dass das etablierte Tourismusmodell nicht «in zwei oder vier Jahren» grundlegend reformiert werden könne. Es gehe nicht ohne Tourismus. Im Raum stehe aber etwa eine Begrenzung der Zahl der Feriengäste, der Mietwagen oder der Ferienwohnungen.

Ein Grundproblem bleibt dabei bestehen: dass wunderschöne Naturphänomene wie die Caló des Moro überhaupt auf den sozialen Medien herumgereicht werden, die genau von solchen Neidischmachern leben, und dort millionenfach aufgerufen werden. Eine mallorquinische Tiktokerin bat vor kurzem, dass man bitte keine Videos mehr von den Buchten posten soll. «Kommt, geniesst und fertig», so ihre Ansage.

Anfang Mai demonstrierten in der Hauptstadt Palma de Mallorca 10’000 Menschen gegen den Massentourismus, der auch zu steigenden Mieten führt. Es habe sich um eine der grössten Kundgebungen gehandelt, die es jemals auf Mallorca gegeben habe, so die Lokalmedien.

Starten Sie jeden Tag informiert in den Tag mit unserem Newsletter Guten Morgen. Melden Sie sich hier an.

2024-06-19T15:24:21Z dg43tfdfdgfd